… healthStyle 04 | 2022

von | Jun 8, 2024 | Meine Artikel | 0 Kommentare

05.Januar 2018. Der Tag, der mein Leben auf einen Schlag veränderte. Bis zu diesem Zeitpunkt hetzte ich gestresst

•und gleichzeitig planlos durch mein Leben. Doch nun hielt das Hamsterrad, wie ich mein damaliges Leben heute beschreiben würde, plötzlich an. Das war der Moment, in dem mir der Mann mit dem weißen Kittel, an dessen Schreibtisch ich Platz genommen hatte, drei Worte sagte: Sie haben Krebs.

Drei Worte, die mir den Boden unter den Füßen wegzogen.

Sechs Wochen zuvor saß ich noch im kleinen Schwarzen mit Schirmchen-Drink unter Palmen in der Sonne Dubais. Jetzt saß ich glatzköpfig in der Chemo-Ambulanz und in meinem Kopf kreiste immer der gleiche Gedanke: Wo ist nur mein Leben ge-blieben?

Ich wollte zurück – um jeden Preis. Aber es gab kein Zurück mehr! Zeit lässt sich nicht zurückdrehen oder festhalten, ganz gleich, wie sehr wir uns bemühen. Sie geht einfach vorüber.

Jede Sekunde, die vergeht, ist unwiderruflich vorbei.

„Wir haben zwei Leben – das Zweite beginnt in dem Moment, in dem wir erkennen, dass wir nur eins haben.“

(Konfuzius)

Diese Worte verliehen mir Kraft. Sie machten mir den Abschied von meinem ersten Leben leichter. Wenn es kein Zurück gab, dann war es die Aussicht auf ein zweites Leben, die mir den nötigen Auftrieb verlieh. Ich war bereit zu kämpfen – zu kämpfen für eine zweite Chance!

„Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“

(Arthur Schopenhauer)

Bis dahin zählte Gesundheit für mich in die Rubrik „Selbstver-ständliches im Leben“. Wenn mir jemand zum Geburtstag Gesundheit wünschte, gehörte ich zu den Kandidaten, die kurz freundlich nickend schnell dazu übergingen, die Aufmerksam keit lieber dem neuen Schmuckstück oder der Handtasche zu widmen.

Jetzt bekam ich eine Ahnung davon, welches Geschenk „Ge-sundheit“ in Wirklichkeit ist. Aber anders als es bei Geschenken üblich ist, wollte ich nicht abwarten, bis ich es irgendwann überreicht bekommen würde oder auch nicht – nein, ich wollte alles für meine Gesundheit tun und mich damit selbst beschenken.

Meine Reise begann mit unzähliger Literatur zum Thema Ge-sundheit. Nach Beendigung meiner Akutbehandlung entschied ich mich für ein Studium zum Gesundheits- und Präventions-coach und schrieb ein Buch über meinen Weg aus meiner Krebserkrankung.

Ich entdeckte eine Definition der WHO aus dem Jahre 1945, in der Gesundheit als „ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein als das Fehlen von Krankheiten und Gebrechen“ beschrieben wurde.

War es tatsächlich der Tag meiner Diagnose, der mich schlagartig von der Gesundheit in die Krankheit katapultierte? Oder war ich in Wahrheit schon lange nicht mehr gesund – nur ohne Diagnose? Wann hörte ich auf, gesund zu sein? Vor zwei Jahren, vor fünf Jahren – oder etwa schon vor zehn Jahren?

Wie viele Menschen würden sich auf Grundlage dieser Definition als gesund bezeichnen? Wer ist schon in einem Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbe-findens?

Ich stieß ich auf sieben Grundbedingungen, die entscheidend dazu beitragen können, Gesundheit zu erhalten bzw. wiederzu-erhalten.

Auf Platz 1 stand in großen Buchstaben geschrieben:

EIN GESUNDES SELBSTWERTGEFÜHL.

Was hat denn ein gesundes Selbstwertgefühl mit Gesundheit zu tun? Und wenn dem so ist, warum hat mich noch nie ein Arzt gefragt, wie es um mein Selbstwertgefühl bestellt ist?

Früher hielt ich mangelndes Selbstbewusstsein eher für ein Lu-xusproblem. Wie oft habe ich über andere Menschen gespro-chen, dass es ihnen an Selbstwertgefühl mangele, in einer belanglosen Weise, als hätten sie lediglich die falsche Handtasche zum Outfit gewählt.

Ich begann neu über Selbstwertgefühl nachzudenken… vielleicht ist es mehr ein Basisproblem?

Nur wer ein stabiles Selbstwertgefühl hat, kann sich selbst lie-ben. Nur wer sich selbst liebt, kann auch andere lieben. Nur wer andere liebt, wird zurückgeliebt. Wir sind soziale Wesen und streben nach zwischenmenschlichen Beziehungen und vor allem nach Liebe. Wenn die Basis fehlt, dann warten wir vergeblich auf die große Liebe.

Ich begann, mich intensiv mit dem Selbstwertgefühl zu beschäf-tigen. Der Begriff wird häufig synonym verwendet zu Selbstbe-wusstsein, Selbstvertrauen und Selbstachtung. Aber meinen sie alle das Gleiche?

Zunächst ist offensichtlich, dass sie gleich beginnen, nämlich mit „selbst“. Aber was ist damit genau gemeint? Kommt Selbstwertgefühl etwa „von selbst“, also automatisch?

Oder ist mit dem „Selbst“ das „Ich“ gemeint? Das wäre zumindest naheliegend! Denn um wen geht es denn hier, wenn nicht um mich? Warum nennen wir es dann nicht gleich beim richtigen Namen und sprechen vom „Ichwertgefüh!“?

Warum vermeiden wir das „Ich“? Das ist möglicherweise das Ende eines langen Prozesses, der schon lange vorher in unserer Kindheit begonnen hat. Viele von uns wurden schon als Kind dazu angehalten, sich, also das „Ich“, zurückzunehmen. Spätestens nach dem ersten Mal „Ich will einen Lolli haben!“ wurden wir ermahnt, unsere Wünsche in Zukunft leiser zu äußern. Zur Bestrafung mussten wir uns an das Ende der Reihe stellen und geduldig warten, bis alle anderen Kinder den ersehnten Lolli be-kamen, bevor wir als Letztes dran waren.

In späteren Auseinandersetzungen fielen Sätze wie: „Was glaubst du eigentlich, wer du bist?“ Die offensichtlichste, selbstverständlichste und im Übrigen einzig richtige Antwort „Natürlich ich!“ hätte wohl eher noch Öl ins Feuer gegossen. Deshalb haben wir lieber geschwiegen. Egoismus, so wurde es uns beigebracht, sei eine Todsünde. Das Wort Egoismus ist bei vielen so negativ be-haftet, dass wir das Gegenteil von egoistisch sein wollen. Lieber opfern wir uns, um ganz sicher zu gehen, nicht in die Schublade „egoistisch“ gesteckt zu werden! Und am Ende wundern wir uns, dass wir als Erwachsene „auf einmal“ dastehen und Angst davor haben, offen unsere Wünsche zu äußern?!

Kennst du das auch? Du stehst vor einer großen, wunderbaren Torte und es gibt da immer dieses Stück, das besonders gut und schmackhaft aussieht. Das ist selbstverständlich für den Gast, das nächste ist für ein Familienmitglied usw. Wir schauen zu, wie sich die Sache mit dem Lolli wiederholt. Und dann gibt es da auch immer dieses Stück, das beim Verladen unschön auf die Seite fällt. Das wollen wir niemandem zumuten und deshalb landet dieses sorte steht sinf dem eigenen Teller! Dieses umgekippte Stück Torte steht sinnbildlich für unser Selbstwertgefühl, das am Boden liegt!

Wir haben uns immer wieder die Botschaft zugespielt, dass wir uns selbst nicht so wichtig nehmen sollten!

Und ich behaupte: genau das sollten wir tun, uns wichtig nehmen!

Wir sollten wieder anfangen, uns als wertvoll anzusehen! Wir sollten uns wieder bewusst für unser ICH entscheiden! Was will ich? Wann will ich es? Wie will ich es denn im Leben haben?

Diese einfachen Fragen dürfen wir uns wieder stellen, um unser verlorenes Ich-Gefühl aus einer alten, längst verstaubten Schublade hervorzuholen und der Frage auf den Grund zu gehen: Wer

Neben dem Gefühl, sich wertvoll zu fühlen, beinhaltet das Wort Selbstwertgefühl aus meiner Sicht, dass wir Werte ha-ben, die wir auch fühlen.

Wieder bediente ich mich einer bekannten Suchmaschine im In-ternet, um herauszufinden, welche Werte es denn im Allgemeinen gibt, nach denen man so leben kann. Ich war überrascht, denn die Auswahl, von A wie Authentizität bis Z wie Zuverlässig-keit, war groß.

Schritt 1: Nach welchen Werten lebe ich?

(Ist-Situation)

In einem ersten Schritt entschied ich, fünf Werte aufzuschreiben, nach denen ich bisher lebte. Auf meinem Zettel standen: Sicher-heit, Harmonie, Zuverlässigkeit, Perfektionismus und Loyalität.

Ja, das war ich. Jedenfalls glaubte ich das lange. Sehr lange. Doch jetzt stand ich an einem Wendepunkt meines Lebens und stellte mir die alles entscheidende Frage: Bin ich das wirklich? Will ich das wirklich? Fühle ich diese Werte? Habe ich Selbstwertgefühl?

Schritt 2: Sind diese Werte noch richtig für mich? (Ist-Analyse)

Und plötzlich wurde mir klar, dass das die Werte waren, die mir anerzogen wurden. Sie wurden mir quasi in die Wiege gelegt, weil meine Eltern, die, wie die meisten Eltern, immer nur das Beste für ihre Kinder wollen, der Auffassung waren, dass ich mit diesen Werten gut durchs Leben kommen würde. Aber dieser Plan ging nicht auf, denn ich fühlte diese Werte nicht. Stattdessen fühlte ich in mir diese Diskrepanz zwischen den Werten, die mir anerzogen wurden, und denen, die ich fühlte und die deshalb wirklich zu mir gehörten. Diese Diskrepanz drohte mich nun zu zerreißen.

Zeit, das Hamsterrad zu verlassen!

Schritt 3: Welche Werte will ich in Zukunft leben? (Ziele)

Wieder ging ich durch die Liste mit den Werten und fühlte in mich hinein, welche Werte mein Herz höherschlagen ließen.

Jetzt stand auf meinem Zettel fett gedruckt: Humor! Ja, Humor war mir immer wichtig. Als Kind habe ich gerne Comedy-Sen-dungen geschaut – auf einmal kam alles zurück. Aber plötzlich erinnerte ich mich auch, warum ich vom Weg abgekommen war. Meine Eltern waren der Meinung, dass man nur ernst genommen wird, wenn man ernst ist. Diesem fremden Glaubenssatz ist mein Humor zum Opfer gefallen.

Ich bin davon überzeugt, dass beides möglich ist: „gut drauf zu sein“ und gleichzeitig „etwas drauf zu haben“!

Ichwertgefühl bzw. Selbstwertgefühl ist eine bewusste Ent-scheidung, die wir jeden Tag neu treffen dürfen oder auch treffen sollten.

Bleibt die Frage: Wie komme ich an mein Ziel bzw. wie integriere ich meine Werte in meinen Alltag?

Schritt 4: Wie komme ich an mein Ziel?

Eine große Hilfe bei der Integration neuer, selbst auserwählter Werte ist das Führen eines Tagebuches oder eines Journals. Mit diesem Hilfsmittel kann ich für die Woche definieren, was mir wichtig ist und jeden Abend kann ich kurz auf den Tag zurückblicken und reflektieren, ob und wie mir die Umsetzung gelungen ist. Das war für mich der Antrieb, ein solches Journal mit ganz viel Liebe selbst zu entwickeln und zu produzieren, um Frauen einen kleinen Helfer an die Hand zu geben.

Wenn ich z.B. Humor als meinen Wert definiere, dann ist abends durchaus die Frage erlaubt: Wie oft habe ich heute gelacht? Auf diese Weise wird das Leben sehr viel leichter.

Wenn wir das sagen, was wir denken, und tun, was wir sagen, dann sind wir integer… und Integrität ist die Basis für Selbstver-trauen.

In meinem zweiten Leben achte ich mich und meine Wünsche und ich weiß ganz genau, was ich nicht mehr will: Mein „Ich“ hinten anstellen! Wer weiß… vielleicht landet beim nächsten Geburtstag das dickste Stück Torte auf meinem Teller. Und jeder, der noch dabei ist, wird es mir aus vollem Herzen gönnen!

Fazit

Ein gesundes Selbstwertgefühl kommt nicht „von selbst“. Ein gesundes Selbstwertgefühl ist eine Entscheidung – deine Ent-scheidung, die du jeden Tag aufs Neue treffen darfst, und zwar ganz bewusst, indem du die Verantwortung für dich und die Werte, die du fühlst, übernimmst.

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ich bin Shila und dies ist mein 2. Leben. In meinem ersten Leben war ich Diplom Betriebswirtin und Fachberaterin für Finanzdienstleistungen. Aber glücklich – das war ich nicht! Leider fehlte mir damals etwas ganz Entscheidendes: 

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